Neighborhood

Almost no-one lives without neighbours nowadays … sometimes we live closer to them and other times further away. I had the enjoyable task of moving into a terraced housing complex for three months in Kaiserslauetern, Germany. There, as an active observer, I was able to experience `life as usual` and photograph the goings-on within the complex. The result of this project is a book complete with photographs and text. The project was commissioned by the Deutsche Reihenhaus AG – relayed to me by the consulting firm Rendel & Spitz, Cologne.
Here is a small taste of what life looks like in Reiserfeld  – a housing complex in Kaiserslautern.

 

„Spießertum oder Kult? Der Fotograf Andreas Herzau beobachtete die deutsche Reihenhaus-Nachbarschaft zwischen Gartenschlauch, Garage und Grill.

Der deutsche Nachbar – das ist für gewöhnlich eine Horrorgeschichte. Klagefreudig und missgünstig und engstirnig ist das Personal dieser Horrorgeschichte, geübt im zermürbenden, kleinräumigen Stellungskrieg um Lärmbelästigung, Parkplatzregelungen und die Exegese von Mülltrennungsvorschriften. Der Fotograf Andreas Herzau ist für drei Monate in eine Reihenhaussiedlung in Kaiserslautern gezogen und hat anderes erlebt. In dem gerade neu gebauten „Wohnpark“ mit 47 Parteien konnte er beobachten, wie sich eine Nachbarschaft neu formiert und wie sich dabei auf engem Raum Bekanntschaft und Distanz doch recht passabel auspendeln können. Das anfängliche Wohlwollen – die Soziologie spricht von „Pioniersituationen“ – mag nicht ganz repräsentativ sein. Doch es gibt nicht nur unter frisch Zugezogenen auch solche Nachbarn in Deutschland, wie sie der Fotograf in Kaiserslautern angetroffen hat, nämlich welche, die dem Motto folgen: „Mit Freundlichkeit kommt man schon zurecht.“ Derartige Zitate der Bewohner sind zwischen die Fotos geschaltet, die Herzau zu einem interessanten Bildband arrangiert hat. Was hier entsteht, ist ein Alltagspanoptikum, ein wenig an den englischen Fotografen Martin Parr erinnernd, nur nicht mit derselben gezielten Schonungslosigkeit; es ist das ganz normale Kleinbürgerleben, zwischen Gartenschlauch und Garage, Grill und Tischtennisplatte. Ein beigefügter Essay des Oldenburger Stadtsoziologen Walter Siebel bewahrt aber auch davor, heutige Nachbarschaft zu idealisieren. Für Kinder und alte Menschen sei Nachbarschaft, so Siebel, nach wie vor von großer Bedeutung, und das werde sich mit dem demografischen Wandel noch verstärken. Doch anders als in der Vormoderne bedeutet Nachbarschaft nicht mehr ökonomische Abhängigkeit voneinander, nicht mehr schicksalhafte Symbiose. „Moderne Kontaktnetze beruhen auf Wahlfreiheit.“ Die mobile Arbeitsgesellschaft und Verstädterung geht mit dem Wunsch nach mehr Abstand einher, mit der Intimisierung der privaten Wohnung. Und so ist die Frage von Nähe oder Grenzziehung auch das eigentliche Thema dieses Bildbandes. Man hält mal ein nettes Schwätzchen und leistet sich Hilfe – doch nach wie vor sind die Deutschen die Weltmeister des Zäunebauens und der Rollläden. Einer der Nachbarn sagt enttäuscht: „Ich habe am Anfang gedacht, das bleibt hier alles offen.“

Johan Schloemann/Süddeutsche Zeitung

 

Nachbarschaft

240 Seiten
87 Bilder
26 x 29 x 3 cm

Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7667-1817-4

Callwey Verlag, München